Luftikus 3

die neue Leichtigkeit des Fliegens

Moderator: Moderatorenteam

Liebernickel
Beiträge: 308
Registriert: Mi 5. Nov 2014, 16:14
Wohnort: Mittenwald

Re: Luftikus 3

Beitrag von Liebernickel » Do 9. Apr 2020, 16:07

Hallo zusammen,
heute ist der Tag der Sandsäcke.
Nachdem es gepasst hat habe ich auch den Test für die Schwerpunktkupplung gemacht mit ca. 320 kg. Ich hoffe, dass ich dabei den Winkel des
Seils wenigstens einigermaßen hingekriegt habe.
Außerdem noch die Belastung des Holmkastens in Verbindung mit Sitz, Fahrwerk und Rumpfschale: ca. 560 kg. Ich denke, dass ich auch da bei
turbulenter Luft nicht herausfalle.
Wie ich das berechne: Schwerpunktkupplung: Bei Windenstart ist Sollbruchstelle 200 kg, also gut das 1,5 fache
Holmkasten an dem alles hängt: ich wiege 100 kg mal knapp das 5-fache, da falle ich nicht durch den Flieger (ich weiß,
da kommen noch die nicht tragenden Teile dazu).

Noch kurz ein Hinweis zur Handkurbel: Die hält zwar lt. Aufkleber 2000 lbs. aus, aber bei den 440 kg war schon ziemlich das Ende. Beim vorherigen Luftikus 2 habe ich diese Tests an gleicher Stelle mit einer elektrischen Seilwinde gemacht. Da waren mit Umlenkung 1 to möglich. Wir hatten da
ja bei den Belastungen der Tragfläche insgesamt 860 kg aufgelegt.
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Timpilot
Beiträge: 1272
Registriert: Mo 29. Jan 2007, 10:26
Wohnort: Berlin & La Mancha (Spain)
Kontaktdaten:

Re: Luftikus 3

Beitrag von Timpilot » Fr 10. Apr 2020, 09:20

Andrés, die Theorie und die Bauvorschriften kenne ich ja - nur aus anderen Projekten habe ich irgendwie das Gefühl, dass es meist höhere Lastvielfache sind.
Benutzeravatar
Andres
Beiträge: 79
Registriert: So 26. Jan 2020, 13:09
Wohnort: Stuttgart
Kontaktdaten:

Re: Luftikus 3

Beitrag von Andres » Fr 10. Apr 2020, 09:55

@Tim: Die Bestimmung und meine Rechnung geben das Mindestmaß an. Weniger darf man nicht nehmen. Wenn man z.B. von 2 m/s Sinkrate ausgeht, so steigt das Lastvielfache bereits auf 1,5. Nimmt man 3 m/s so ist man schon über ein Lastvielfaches von 3,3. Daher ist da viel Spielraum und es kann sich von Projekt zu Projekt je nach "Angstfaktor" deutlich unterscheiden.
Schneewittchen's Bau-Blog:
https://hortenmicrolight.wordpress.com/
Liebernickel
Beiträge: 308
Registriert: Mi 5. Nov 2014, 16:14
Wohnort: Mittenwald

Re: Luftikus 3

Beitrag von Liebernickel » Sa 11. Apr 2020, 05:52

Hallo zusammen,
ich fliege mittlererweile 30 Jahre UL-Segelflugzeuge und gottseidank ist es mir nur einmal passiert, dass ich trotz einer Geschwindigkeit von 80 km/h kurz vor der Landung auf die Bahn gekallt bin. Gerade an dem Fahrwerk sollte man nicht sparen. Bei uns am Platz ist im vergangenen Jahr ein auf Elektroantrieb umgebautes UL in ein oberflächliches Loch der Bahn geraten und hat sich das Fahrwerk nach hinten umgeknickt mit der Folge, dass auch der Propeller kaputt ging. Der Konstrukteur hätte das Fahrwerk nach vorne zusätzlich abspannen sollen.

Gruß Michael
Benutzeravatar
Andres
Beiträge: 79
Registriert: So 26. Jan 2020, 13:09
Wohnort: Stuttgart
Kontaktdaten:

Re: Luftikus 3

Beitrag von Andres » Sa 11. Apr 2020, 09:09

Hallo Michael,

Unebenheiten dürften in der Tat die schlimmere Annahme sein. Wenn man auf Asphalt landet ist das sicherlich nebensächlich, aber auf Graspisten sind Bodenwellen tägliches brot. Ich habe eine Referenz aus dem Rennsport gefunden:
  • maximaler vertikaler Stoß (Schlagloch): Lastvielfaches 3, d.h. Fv = 3 m g
  • extreme Kurvenfahrt: Lastvielfaches 2 vertikal (Fv = 2 m g) und horizontal, wobei horizontal der Reibkoeffizient einhergeht (Fh = 2 µ m g). Reibkoeffizienten µ: Asphalt 0,6-0,8 und Gras 0,4-0,5.
  • extreme Bremsung: Lastvielfaches 2 vertikal (Fv = 2 m g), Lastvielfaches 1,5 horizontal, wobei der Reibkoeffizient einhergeht (Fh = 1,5 µ m g).
Werte aus "Rennwagentechnik: Grundlagen, Konstruktion, Komponenten, Systeme", Michael Trzesniowski. Wenn ich das zusammenfasse, dann ist eine sichere Auslegung wohl im Bereich vom Lastviefaches 3 vertikal und 1 horizontal für Graspisten. Das sind aber Werte für Formel 1 Fahrzeuge. Ein Kompromiss könnte wie bei dir Lastvielfaches 2 und 1/4 der Last horizontal wie von den Baubestimmungen verlangt vorzusehen.

Viele Grüße,
Andrés
Schneewittchen's Bau-Blog:
https://hortenmicrolight.wordpress.com/
Benutzeravatar
Andres
Beiträge: 79
Registriert: So 26. Jan 2020, 13:09
Wohnort: Stuttgart
Kontaktdaten:

Re: Luftikus 3

Beitrag von Andres » Mi 15. Apr 2020, 16:45

Hallo Michael, hallo Tim,

hab' eine neue Referenz bekommen zu den Fahrwerkslasten, und zwar aus dem Buch von Pazmany, "Landing gear desing for light aircraft". Dort steht, dass ein Lastvielfaches von 3 empfehlenswert ist. Das wird aber um 2/3 des Auftriebs vermindert. Die Verminderung gilt nur für die vertikale Last, aber nicht für die horizontale:
  • Fv = (3 - 0,67) m g = 2,33 m g
  • Fh = 0,25 · 3,0 · m g = 0,75 m g
Bei meiner Rechnung im alten Posting war eine falsche Annahme, weshalb so kleine Werte rauskamen. Und zwar habe ich einfach die Masse bei der Energiebilanz verkleinert, statt die virtuelle Arbeit des Auftriebs hinzuzufügen: 0.5 m ws² = 0.5 D s² + (2/3) m g s. Damit komme ich auf ein Lastvielfaches von exakt 2,33 wie von Pazmany angesetzt.

Viele Grüße,
Andrés
Schneewittchen's Bau-Blog:
https://hortenmicrolight.wordpress.com/
Timpilot
Beiträge: 1272
Registriert: Mo 29. Jan 2007, 10:26
Wohnort: Berlin & La Mancha (Spain)
Kontaktdaten:

Re: Luftikus 3

Beitrag von Timpilot » Do 16. Apr 2020, 08:46

Dann war mein Gefühl doch nicht so schlecht...
Liebernickel
Beiträge: 308
Registriert: Mi 5. Nov 2014, 16:14
Wohnort: Mittenwald

Re: Luftikus 3

Beitrag von Liebernickel » Mo 20. Apr 2020, 10:00

Servus zusammen,
als ich die fünfte Oberrschale für das Flügelmittelteil gefertigt habe, ist mir gottseidank noch eingefallen, dass ich ja die Bremsklappen nicht vergessen sollte. Diese Bremsklappen haben eine Größe von 90 cm x 20 cm und sind auch bei niedrigen Geschwindigkeiten, wie man sie bei 120-kg-UL-Segelfliegern gar nicht selten fliegt (z.B. unter einer Wolke, die sehr gut zieht) recht wirksam. Bei Flugversuchen habe ich damit bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h 10m/s Sinken erreicht. Im Endanflug schaffe ich bei ca. 70 - 80 km/h etwa 4-5 m Sinken.
Die Klappe wird über Scharniere an der Vorderkante über ein Hebelsystem regelbar nach oben ausgefahren und nach dem Einfahren durch Federn in der Ruhestellung gehalten, was den Vorteil hat, dass man das Verriegeln der Bremsklappen nicht vergessen kann. Den Segelflieger möchte ich kennenlernen, dem es beim Anschleppen die Klappen noch nicht herausgesaugt hat.
Derzeit entsteht die Platte unter der Bremsklappe, die verhindert, dass durch den Ausschnitt die Oberschale geschwächt wird.
Für die Interessierten wollte ich mal zeigen, wie ich mit einem Feinsägeblatt entlang einer Aluschiene die absolut geraden und dünnen Trennschnitte
herstelle.
Gruß Michael
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Liebernickel
Beiträge: 308
Registriert: Mi 5. Nov 2014, 16:14
Wohnort: Mittenwald

Re: Luftikus 3

Beitrag von Liebernickel » Do 23. Apr 2020, 10:30

Hallo zusammen,
so sieht die Anlenkung meiner Bremsklappen aus. Der linke Umlenkhebel hebt über Seilzug die Klappen nach oben.Die beiden Kugellager stehen leicht über und verringern so den Reibungswiderstand. Durch die drei Federn werden die Klappen wieder eingefahren.
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Liebernickel
Beiträge: 308
Registriert: Mi 5. Nov 2014, 16:14
Wohnort: Mittenwald

Re: Luftikus 3

Beitrag von Liebernickel » So 26. Apr 2020, 07:27

Servus zusammen,
aus Festigkeitsgründen nehme ich diesmal als Scharnier für die Bremsklappe ein Stangenscharnier aus Edelstahl.

Gruß Michael
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Liebernickel
Beiträge: 308
Registriert: Mi 5. Nov 2014, 16:14
Wohnort: Mittenwald

Re: Luftikus 3

Beitrag von Liebernickel » So 3. Mai 2020, 08:01

Hallo zusammen,
es ist etwas eng in meiner Werkstatt. Mein Sohn baut an seinem 700er Wucher-Hubschrauber und ich setze in unsere 2,20 m Spannweite Lightning P 38 ein neues elektrisches Einziehfahrwerk ein. Dafür dient die Flächennegativform für meinen manntragenden UL-Segler als Arbeitsfläche. Die P 38 ist übrigens auch Voll-GFK.
Ich selbst komme aus der Modellfliegerei und über die Werkstattarbeit im Segelflugverein zu meinen "manntragenden Modellfliegern"!

Gruß Michael
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Liebernickel
Beiträge: 308
Registriert: Mi 5. Nov 2014, 16:14
Wohnort: Mittenwald

Re: Luftikus 3

Beitrag von Liebernickel » Do 7. Mai 2020, 07:56

Hallo zusammen,
weiter geht es mit dem Bau der Profilschalen für die Unterseite des Tragflächenmittelteils (Profiltiefe hier 85 cm).
Vorsichtshalber habe ich mal die schon gefertigten 5 Oberschalen auf die Form der Unterseite gehalten. Es passt alles. Bei diesem doch sehr flach und spitz auslaufendem Profil ist es schon eine Herausforderung, die Endkante auf max. 3 mm Dicke zu bringen. Um das Profil genau auf die Tragfläche zu übertragen, habe ich später vor, Zwischenripppen aus Styrodor einzusetzen. Das Schneiden im Block ist ja recht einfach!

Gruß Michael
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Liebernickel
Beiträge: 308
Registriert: Mi 5. Nov 2014, 16:14
Wohnort: Mittenwald

Re: Luftikus 3

Beitrag von Liebernickel » Mo 11. Mai 2020, 08:48

Hallo zusammen,
Profilunterseite laminiert bzw. mit Stürzkörper im Vacuum verklebt! Jetzt geht es darum, wie Ober- bzw. Unterseite dieses Tragflächensegments zusammenpassen - vor allem an der Profilhinterkante. Diese wird später mittels Mumpe verklebt (gingen Microballons auch?), die Nasenleiste mit Glasgewebeband aus 320 g/qm, 30 mm breit.

Gruß Michael
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Benutzeravatar
Andres
Beiträge: 79
Registriert: So 26. Jan 2020, 13:09
Wohnort: Stuttgart
Kontaktdaten:

Re: Luftikus 3

Beitrag von Andres » Mo 11. Mai 2020, 12:36

+Hallo Michael,

ich würde Baumwollflocken-Mumpe statt Microballons nehmen. Die Festigkeit der zwei ist deutlich anders. Bei Microballons kann durch die kleine Größe der Glassphären zu einem durchgehenden Bruch kommen. Das passiert nicht so schnell bei Bauwollflocken, weil sie eine gewisse Faserlänge haben. Das bisschen Mehrgewicht ist gut angelegt. Ansonsten kann man auch mit Kohle-Rovings die Klebefläche vergrößern und eine stabile Hinterleiste schaffen.

Viele Grüße,
Andrés
Schneewittchen's Bau-Blog:
https://hortenmicrolight.wordpress.com/
Benutzeravatar
custom-paramotors
Beiträge: 173
Registriert: Di 22. Nov 2016, 09:28

Re: Luftikus 3

Beitrag von custom-paramotors » Mo 11. Mai 2020, 12:59

Hallo Michael,

ich würde auch zu Rowings raten zum verkleben der endleiste.

Beim Schalenflächenbau lange bewährt, ebenso für Propeller.

Ich tränke diese immer vorher auf einer mit Folien belegten Platte. Dann das Harz " einziehen lassen " ca. 5 Minuten.
Nochmal dünn drüberstreichen.

Dann die Klebefläche anstreichen und die Rowings auflegen etwa doppelt so dick wie der fertige aufzufüllende spalt ist.
Rowings lassen sich bis auf fast null pressen. Heist der Überschuss verschiebt sich gleichmässig in das Profil bzw formt sich zum Füllkeil.

Grüsse

Thomas

diese version im link lässt sich sehr gut tränken: https://shop.hp-textiles.com/shop/de/50 ... t-50k.html
Antworten